Case Study · UX/UI · User Centered Design 4 · OST

Vom Reel zum Gericht — einfach, nachhaltig, gemeinsam.

Redesign der Migros-Rezept-App: KI-Import von Rezepten aus Instagram und TikTok, Nachhaltigkeits-Transparenz für jede Zutat und ein Eco-Score, der nachhaltiges Kochen sichtbar belohnt.

Drei Migusto-Screens: KI-Import, Feed mit Rezept, Profil mit Eco-Score
Meine RolleContent & UI Designer
Team4 Personen
Zeitraum1 Semester · FS 2026
ToolsFigma · FigJam · Figma Slides · Gemini · Figma Weave · Claude
Aufgabe

Die Migusto-App so gestalten, dass aus gespeicherten Reels gekochte Gerichte werden.

Was ich gemacht habe
  • Ideen für Social-Media-Import und Community eingebracht (Crazy 8)
  • KI-Import-Screens und Screen Flow gestaltet
  • Erste Designsystem-Komponenten (Profil) aufgebaut
  • Inhalte und Microcopy der Screens geschrieben
  • 3–4 KI-Videos erstellt
  • Zwei Testpersonen selbst getestet und ausgewertet
Ergebnis

Klickbarer Prototyp – nach zwei Testrunden in drei Punkten verbessert.

Gespeichert ist nicht gekocht.

Im Modul User Centered Design 4 an der OST haben wir die Migusto-App der Migros neu gedacht. Ausgangspunkt war eine Situation, die fast alle kennen: Man sieht ein Rezept auf Instagram, ist begeistert – und kocht es nie.

01 — Problem

Von der Inspiration zur Umsetzung ist der Weg zu umständlich.

47%

wollen jeden Monat mindestens ein virales Rezept aus Social Media ausprobieren

67%

kochen gespeicherte Social-Media-Rezepte nur manchmal, selten oder nie nach

0

direkte Import-Optionen von Instagram oder TikTok in Migusto

Quellen: Talker Research für Maruchan, Juni 2026 (2’000 Social-Media-Nutzer:innen, USA) · The Harris Poll für Instacart, Nov. 2022 (2’086 Erwachsene, USA) · eigene Analyse der Migusto-App
Für die Schweiz fehlen vergleichbare Daten – das Verhalten ist aber nicht länderspezifisch.

Design-Frage

Wie schaffen wir es, den Weg vom Reel zum Gericht einfach zu gestalten – und Nutzer:innen gleichzeitig dazu zu bewegen, nachhaltiger einzukaufen?

02 — Research & Synthese

Lena speichert 300 Reels – und bestellt doch Takeaway.

Aus Crazy 8, einer Konkurrenzanalyse (Fooby, Recipe Keeper) und Desk Research entstand unsere Persona Lena. Ihre User Journey zeigt, wo der Weg vom Reel zum Teller heute abbricht.

Persona Lena Jung

Lena Jung

27 · Zürich · Grafikerin (80%)

«Wenn ich kochen will, weiss ich nicht mal, wo anfangen – und am Ende bestell ich doch wieder Takeaway.»

User Journey – Ist-Zustand

01EntdeckenSieht ein veganes Cheesecake-ReelKein Weg, das Rezept mitzunehmen
02SpeichernRezept landet neben 300 anderen PostsArchiv ohne Struktur
03WiederfindenScrollt minutenlang ohne Suche3–5 Minuten pro Rezept
04Zutaten verstehen«Was ist 1 cup in Gramm?»2–4 Tools nötig
05EinkaufenFindet die Cashewcreme nichtKeine Infos zu Alternativen
Insight

Inspiration allein reicht nicht. Erst wenn die Umsetzung einfacher ist als Takeaway zu bestellen, ändert sich das Verhalten.

03 — Konzept

Zwei Hebel: Transparenz und Belohnung.

Hebel 1 — Nachhaltigkeit

Transparenz schafft Bewusstsein.

Jede Zutat erhält einen Score von 0–100 aus Herkunft, Produktionsweise, Transportweg und Saisonalität – angezeigt als Blatt-Icon direkt neben der Zutat.

+8Bio-Produkt
+5Saisonal
+6Regional (CH)
+12Vegane Variante
Hebel 2 — Belohnung

Fortschritt, der wächst.

Eco-Score-Punkte gibt es für nachhaltige Entscheidungen. Ein Pflänzchen wächst mit jedem Level, die Community sorgt für soziale Anerkennung.

1Samen
2Wurzeln
3Blüte
4Krone

Prozess · Ideen & Wireframes

Vom Crazy 8 zum ersten Flow.

In der Crazy-8-Session skizzierte jede:r acht Ideen in acht Minuten. Zwei meiner Ideen – Rezepte aus Instagram und Pinterest speichern und eine Community zum Teilen mit Rabatten – wurden nach dem Dot-Voting zum Kern des Konzepts. Daraus entstand der erste LoFi-Flow.

Crazy-8-Board mit acht Ideen von Michelle
Meine Crazy-8-Ideen. Idee 6 (Community mit Rabatten) und 7 (Instagram- & Pinterest-Import) flossen ins Kernkonzept ein.
LoFi-Wireframes des KI-Import-Flows
LoFi-Flow, 1. Version. Der KI-Import als graue Boxen – bevor Farbe und UI dazukamen.

04 — Lösung

Vom Reel zum Gericht in vier Schritten.

01

Teilen & KI-Import

Ein Reel aus Instagram oder TikTok wird direkt an Migusto geteilt. Die KI liest Zutaten und Schritte aus, rechnet Masseinheiten um und erstellt ein strukturiertes Rezept.

✓ Im Test: positiver Überraschungsmoment
Screens: Reel teilen, KI-Import, Rezept personalisieren
02

Rezept anpassen

Portionen, Diätmodus und Allergien ändern alle Mengen live. Jede Zutat zeigt ihren Nachhaltigkeits-Score, Migros-Produkte und Alternativen sind direkt verknüpft.

✓ Im Test: Score sofort verstanden
Screens: Rezeptansicht, Anpassen, Allergien
03

Schritt für Schritt kochen

Ein Schritt pro Screen, die passenden Zutaten direkt dabei, Timer für Wartezeiten – kein Video, kein Zurückspulen. Zum Abschluss ein Foto als Stolz-Moment.

✓ Im Test: «Fertig gekocht» gut gefunden
Screens: Kochschritte mit Timer und Abschluss
04

Eco-Score & Community

Der Eco-Score wächst im Profil vom Samen bis zur Krone. Im Community-Feed sieht man, was Freund:innen kochen – die «Geling-Garantie».

✓ Nach Iteration: Eco-Score im Profil
Screens: Profil, Eco-Score, Profil einer Freundin

05 — Testing & Iteration

Getestet, gelernt, verbessert.

2 Testrunden7 AufgabenThink-Aloud am SmartphoneAffinity ClusteringSUS-Fragebogen
Hat funktioniert
✓ KI-Import als Überraschungsmoment✓ Teilen aus Instagram sofort verstanden✓ Nachhaltigkeits-Score sofort verstanden✓ «Fertig gekocht» gut gefunden
Finding 1

Impact-Baum nicht auffindbar

Der Eco-Score sitzt jetzt mit Level-Bar prominent im Profil, ein Button führt direkt zum Detail.

Finding 2

Wisch-Geste nicht verstanden

Fortschritt «Schritt 1 von 9», klarer Weiter-Button und Zugriff auf alle Zutaten.

Finding 3

«Anpassen» schwer auffindbar

«Anpassen» steht direkt bei den Zutaten, die Personenanzahl ist sofort sichtbar.

Testing in Zahlen

Was die Tests konkret gezeigt haben.

Jedes Teammitglied testete 2–3 Personen mit dem HiFi-Prototyp (Think-Aloud, 7 Aufgaben). Ich habe selbst zwei Tests durchgeführt. Vier Tests haben wir ausführlich mit SUS-Fragebogen ausgewertet – darauf beziehen sich die Zahlen unten. Die Findings haben wir nach Schweregrad geclustert und direkt in Screens übersetzt.

2Testrunden
8–12Testpersonen
7Aufgaben pro Test
Ø 68.5SUS-Score (4 Fragebögen) – knapp über dem Durchschnitt von 68
Vorher-Nachher-Screens aus der Iteration
Vorher → Nachher. Eco-Score, Zutatenliste und Sammlung nach den Tests überarbeitet.

06 — Meine Rolle & Learnings

Was ich beigetragen – und gelernt habe.

Content & UI Designer

In einem Viererteam verantwortlich für Inhalte und Microcopy der Screens – zwei der Usability-Tests habe ich selbst durchgeführt und ausgewertet.

01Research ist das FundamentErst wenn das Problem wirklich verstanden ist, lohnt sich das Gestalten. Den Research-Teil darf man nicht unterschätzen – er ist der wichtigste.
02Schnell zum testbaren PrototypJe früher ein klickbarer Prototyp steht, desto mehr Zeit bleibt für Usability-Tests und Iteration.
03Früh und oft testenWas uns eindeutig schien, war im Test oft zu versteckt oder zu klein. Annahmen ersetzen keine Nutzer:innen.
04Strukturiert testenEin einheitlicher Testablauf mit denselben Aufgaben machte die Ergebnisse vergleichbar.
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